Mit dem Film über Cuenca beginnt am Gymnasium Große Schule eine neue kleine Reihe aus dem Spanischunterricht: „Spanien, deine Städte“. In dieser Reihe sollen Schülerinnen und Schüler spanische Städte nicht nur vorstellen, sondern sie lebendig werden lassen: mit Sprache, Geschichte, Bildern, Humor und eigenen Ideen.
Den Auftakt macht ein außergewöhnlich gelungenes Video über Cuenca, eine Stadt in Kastilien-La Mancha, die zwar nicht zu den größten Städten Spaniens gehört, deren Geschichte aber umso beeindruckender ist. Cuenca liegt spektakulär zwischen den Schluchten der Flüsse Huécar und Júcar. Besonders berühmt ist die Stadt für ihre Casas Colgadas, die „Hängenden Häuser“, die direkt über dem Abgrund zu schweben scheinen und heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Spaniens zählen.
Das Video erzählt die Geschichte Cuencas von ihren mittelalterlichen Anfängen bis in die Gegenwart. Dabei geht es zunächst um die Zeit der muslimischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel. Nach der Eroberung weiter Teile Spaniens durch arabisch-berberische Heere im 8. Jahrhundert wurde Cuenca wegen seiner besonderen Lage zu einer fast uneinnehmbaren Festung ausgebaut. Die steilen Felsen, die engen Zugänge und die beiden Flüsse machten die Stadt zu einem strategisch wichtigen Ort.
Ein zentrales Thema des Films ist die Reconquista, also die jahrhundertelange Rückeroberung muslimisch beherrschter Gebiete durch christliche Königreiche. Cuenca wurde im Jahr 1177 nach langer Belagerung von König Alfons VIII. von Kastilien erobert. Der Film greift dabei auch die bekannte Legende vom Hirten Martín Alhaja auf, der den christlichen Truppen geholfen haben soll, in die Stadt zu gelangen – angeblich mithilfe von Schafen. Aus einem historischen Ereignis wird so eine originelle, humorvolle und zugleich gut verständliche Szene.
Gerade diese Verbindung macht das Video so besonders: Die Schülerinnen und Schüler erklären Geschichte nicht trocken, sondern erzählen sie szenisch, pointiert und mit viel Witz. Aus der Gründung einer Festungsstadt wird ein Dialog über Abgründe, Flüsse und fehlenden Bauplatz. Aus der Eroberung Cuencas wird eine absurde, aber einprägsame Episode mit Soldaten, Hirten und Schafen. Und aus den berühmten Hängenden Häusern wird die Frage: Ist das noch Stadtplanung – oder schon Kunst?
Trotz des humorvollen Zugriffs vermittelt der Film zentrale historische und kulturelle Informationen: die muslimische Prägung Spaniens, die Bedeutung der Reconquista, den Aufstieg und späteren wirtschaftlichen Niedergang Cuencas, die Folgen von Kriegen und Krisen sowie die heutige Bedeutung der Stadt als kulturelles Erbe und touristisches Ziel.
Besonders beeindruckend ist, wie zeitgemäß die Schülerinnen und Schüler das Thema umgesetzt haben. Das Video ist kurzweilig, kreativ, sprachlich zugänglich und visuell ansprechend. Es zeigt, dass historisches Lernen im Fremdsprachenunterricht weit mehr sein kann als das Auswendiglernen von Jahreszahlen. Geschichte wird hier erzählt, gespielt, kommentiert und mit einem Augenzwinkern vermittelt.
Der Film über Cuenca ist damit ein gelungener Auftakt für die neue Reihe „Spanien, deine Städte“. Er macht Lust darauf, weitere Orte Spaniens kennenzulernen – nicht nur als Punkte auf der Landkarte, sondern als Städte mit Geschichten, Menschen, Konflikten, Legenden und eigener Atmosphäre.
Cuenca zeigt eindrucksvoll: Auch eine kleine Stadt kann eine große Geschichte erzählen.

