Die Große Schule trauert um Sally Perel

Ehrenschüler im Alter von 97 Jahren verstorben.

Am vergangenen Donnerstag, dem 02.02.2023 verstarb Sally Perel im Alter von 97 Jahren in Israel. Sein Tod bewegt auch die Menschen hier in Wolfenbüttel und besonders die Schulgemeinschaft der Großen Schule. Mehrfach hat Perel die Schule in der Vergangenheit besucht und Vorträge gehalten. Zuletzt kam er im November 2019 vorbei und sprach vor vielen Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften. Es war das Jahr, in dem die Große Schule auch mit dem Sally-Perel-Preis ausgezeichnet wurde. Seine offene aber stets mahnende Art beeindruckte Jung und Alt gleichermaßen.

Die Nachricht über den Tod von Sally Perel rief große Traurigkeit hervor. Am Freitagmorgen wandten sich Schülersprecherin Paulina Dužević und Schulleiterin Dr. Ute Krause gemeinsam über die Lautsprecher an die Schulgemeinschaft. Sie würdigten seinen langjährigen Einsatz dafür, aus dem „nie wiedergutzumachenden Schaden“ des Holocaust zu lernen, und riefen dazu auf, Sally Perel in ehrendem Gedächtnis zu halten und dafür einzustehen, dass sich die schlimmen Geschehnisse der NS-Zeit nicht wiederholen.

Söhnke Wagner

Die Rede von Schülersprecherin Paulina Dužević und Schulleiterin Dr. Ute Krause:

„Guten Morgen,

wir wenden uns heute mit einer traurigen Nachricht an euch: Gestern ist unser Ehrenschüler Sally Perel im Alter von 97 Jahren gestorben. Sally Perel – oder mit gebürtigem Namen eigentlich Salomon Perel – stammte aus Peine und floh mit seiner jüdischen Familie während der Zeit des Nationalsozialismus nach Polen. Dort wurde er nach dem Einmarsch der Wehrmacht aufgegriffen und gab sich als Volksdeutscher aus, nannte sich Josef Perjell – mit Spitznamen Jupp. Erst arbeitete er als Übersetzer für die Wehrmacht, später kam er nach Braunschweig und war Mitglied der Hitlerjugend. So schaffte er es, den Holocaust zu überleben.

Nach dem zweiten Weltkrieg ging er nach Israel, um den Staat mit aufzubauen. Aber es brauchte 40 Jahre, um die Geschehnisse zu verarbeiten. Erst 1985 beschrieb er das Erlebte in einem Buch, welches auch verfilmt wurde und ihn als Hitlerjungen Salamon bekannt machte. Die Diktatur bezeichnete er darin als Gift, das jeden Tag in die jungen Gehirne geträufelt worden sei.

Er blieb ein Mahnender, der immer wieder seine Erlebnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus mit Lesungen und Vorträgen an Schulen der jungen Generation nahebrachte. In diesem Zuge besuchte er zuletzt im November 2019 auch die Große Schule – in diesem Jahr war unsere Schule auch Gewinner des Sally-Perel-Preises. Damals beeindruckte Sally Perel uns durch seine offene Art. Sehr emotional beschrieb er seine Spaltung in zwei Seelen – nachts Jude und tagsüber Hitlerjunge. In seinem Vortrag betonte er, dass es ihm wichtig sei, dass alle von der deutschen Geschichte wüssten, um zukünftig genau aus diesem „nie wiedergutzumachenden Schaden“ zu lernen und ihn nicht zu wiederholen.

Wir werden Sally Perel in ehrendem Gedächtnis halten und bitten euch und Sie alle, sich nun für einen Moment der Stille von den Plätzen zu erheben.

[Schweigeminute]

Sein Vorhaben, noch einmal an die Große Schule zurückzukehren, ist nun leider nicht mehr in Erfüllung gegangen. Lasst uns alle seinem Aufruf folgen und dafür eintreten, dass sich die schlimmen Geschehnisse der NS-Zeit nicht wiederholen.

Vielen Dank.“