Latein mit Profil

Latein ab Klasse 6 bietet die Große Schule ebenso wie viele andere Gymnasien an. Zusätzlich zu dieser üblichen Wahl der zweiten Pflichtfremdsprache hält die Große Schule für interessierte Kinder seit vielen Jahren ein besonderes Wahlangebot bereit:

1Latein ab Klasse 5.

Diese Rhythmisierung des Latein-Lehrganges ermöglicht ein intensiveres Eindringen in die lateinische Sprache und trägt damit zur Entschleunigung und Humanisierung des Lernprozesses bei. Diesen Vorteil wollen wir allen Kindern anbieten, auch denen, die etwa eine unserer bilingualen Klassen besuchen oder in der Orchesterklasse lernen.

Deshalb wird der „Lateinkurs 5“ klassenübergreifend eingerichtet.

Damit die interessierten Kinder aller Klassen teilnehmen können, findet der Lateinunterricht des 5. Schuljahrganges in zwei zusätzlichen Wochenstunden statt, die in den Stundenplan der Kinder integriert sind. Der besondere Lateinlehrgang soll über die Jahre bis zum Latinum am Ende der 10. Klasse in einer geschlossenen Lerngruppe unterrichtet werden.

Besondere Beratung erfolgt bei einem gesondertem Elternabend kurz nach den Osterferien und jederzeit bei den Fachlehrern.



„Ein Volk, das auf sich hält, hat seine Anfänge im Dunkel der Geschichte, um eines Tages daherzukommen wie Lohengrin mit dem Schwan. Uns Germanen mangelt diese Feinheit. Soviel man auch im Lexikon nachschlagen mag, immer saßen wir in den norddeutschen Tiefebenen und in Skandinavien. Kein Schwan weit und breit. Wir saßen einfach da, vor uns griffbereit einen Liter Met in einem Topf der ,schnurkeramischen Becherkultur‘, damit spätere Germanisten es einmal leichter mit der Datierung haben würden. Wie jedermann einsehen wird, ist das ein magerer Anfang. 2Zu dieser Zeit, um 950 vor Christus etwa, schaukelte ein Boot auf den Wellen des Mittelmeeres in Richtung Italien. 
Glückliches Rom! Halt ein mit der Schnurkeramik, das ist jetzt zweitrangig, hier kommt dein Begründer! Es sind die Äneasse, Vater und Sohn, die sich aus dem brennenden Troja gerettet haben und nun nach zweihundertjähriger Irrfahrt am Gestade von Latium landen. König Latinus selbst empfing sie. Er weidete gerade seine Ziegen und hatte schon lange den Verdacht, dass sich etwas ereignen würde. Er rief ihnen das bekannte Schillerwort entgegen: „Spät kommt ihr, doch ihr kommt!“ Worauf sie antworteten: ,Wir hatten Gegenwind. 3Aber jetzt kann die römische Geschichte beginnen!‘ Doch hier irrten sie.“ 

(zitiert nach Joachim Fernau, Cäsar lässt grüßen)
Ein aufmerksamer Leser erkennt in Fernaus Text hoffentlich einige sachliche Fehler, so ist z.B. Latinus kein Zeitgenosse Friedrich Schillers.

Das „Universalfach“ Latein soll anhand von präziser Textarbeit Konzentration, Genauigkeit, Selbstdisziplin und Kritikfähigkeit fördern, auf diese Weise ein neues Selbstverständnis der Schüler und Schülerinnen begründen, die durch den Umgang mit Themen, z.B. der Geschichte, Theologie, Grammatik und Logik, einen Zuwachs an Allgemeinbildung und Sprachkompetenz erleben. Auf den Punkt gebracht: Die Schüler lernen das Lernen durch Latein.

In der Schule erworbene Lateinkenntnisse ermöglichen ein zügiges Studium in Germanistik, Geschichte, Theologie und zahlreichen modernen Fremdsprachen. Auch in Jura und Medizin sind Lateinkenntnisse von Nutzen. Als Voraussetzung für die Magister- und Doktorprüfung ist das Latinum in vielen Fächern obligatorisch. Lateinunterricht an der Schule bietet somit eine sinnvolle Zeitersparnis für die Zukunft. Er erspart die Teilnahme an teuren Universitätskursen mit großer Abbrecherquote und ist im Zeitalter von Studiengebühren bares Geld wert



Latein ist auch die Brücke nach Europa

Unsere europäische Kultur wurzelt seit über 2000 Jahren in der griechischen und römischen Antike. Kunst, Religion, Literatur und Philosophie und nicht zuletzt die Geschichte Europas sind ohne Lateinkenntnisse nicht zu entschlüsseln. 

4Die antike Götter-und Sagenwelt liefert bis heute Motive für künstlerisches Schaffen. (Ovid, Metamorphosen; Carl Orff, Carmina Burana; Christoph Ransmayr, Letzte Welt) 

Philosophen untersuchten, was man unter wahrer Freundschaft zu verstehen hat. (Seneca) 

Die römische Zivilisation war auch technisch eine Hochkultur. (Aquädukte, Viadukte, Thermen) 

Politik: Die Demokratie haben die Griechen erfunden, unser Rechtssystem beruft sich in vielen Gesetzen noch auf das römische Vorbild. 

Literatur: Catull und Ovid dichten über die Liebe, Cäsar kommentiert seine Feldzüge, Tacitus und Sallust beschreiben und bewerten römische Geschichte.

Kunstgeschichte: Die Renaissance greift die römische Antike wieder auf, auch wenn das Wort französischen Ursprungs ist; es bedeutet Wiedergeburt. Leonardo da Vinci konnte Latein!

Geben Sie Ihren Kindern die Chance, ihre kulturelle Herkunft über die Begegnung mit der Antike kennenzulernen, denn Zukunft braucht Herkunft!

Lateinunterricht ab Klasse 5 gibt die Möglichkeit, die Stoffmenge von 4 auf 5 Jahre zu verteilen.

5Lassen wir noch einmal Joachim Fernau zu Wort kommen. Er äußert sich im oben angegebenen Werk auf den Seiten 144/145 über den Einfall der Kimbern und Teutonen:
„Das Wort vom Furor teutonicus wurde damals geboren, als aus der gallischen Provinz die Kunde eintraf, Germanen seien mit unwiderstehlicher Gewalt über den Rhein nach Frankreich eingedrungen, ein Meer, eine Woge, ein Tornado von Giganten, von schrecklichen Walhall-Riesen mit Weibern und Kindern, Büffelhörner oder halbe Auerochsenschädel über den Kopf gestülpt, Keulen von urzeitlichem Ausmaß und Speere wie Bäume in den Händen, im Kampf brüllend wie Stiere, angefeuert von ihren Frauen, die ihnen –die Kinder auf den Schultern und mit nackten Brüsten- bei Gefahr bis in die vorderste Linie folgten. Gegen diese Wotansgestalten seien die Kelten des Brennus reine Spaßvögel gewesen.
Weiß der Himmel, woher wir schon immer einen Ruf wie Donnerhall hatten. Wenn die Wache vor dem Buckingham-Palast in monströsen Bärenmützen aufmarschiert, so ist das „hübsch“, wenn wir in Pickelhauben Wache schöben, so wäre dies  „furchterregend“.
Schließlich kannten die Römer die wilden Gallier und die schwarzen Teufel in Nubien. Und schließlich wirkten die römischen Kohorten selbst, wenn sie in Reih und Glied dastanden, auch nicht harmlos. Na ja. Es
ist aber auch wirklich zu blöde, sich Büffelhörner auf den Kopf zu setzen, wo es für uns Deutsche ein Taschentuch mit vier Knoten ebenso getan hätte.“

27.Januar 2016
Herr Hable (Fachobmann)


Schuleigener Arbeitsplan Jahrgang 5-7
Schuleigener Arbeitsplan Jahrgang 7-9



Das Fach Latein unterrichten an der Großen Schule:

Christoph Dziony
Christoph Schweitzer
Henning Waltemathe
Wilhelm Otto Hable (Fachobmann)