DAS GRÜNE VOM EI DES DAMOKLES

                            „ Ich habe das Labyrinth des Dinosaurus besichtigt.“
                            „ Sind das die hängenden Biergärten?“
                            „ Nein, die sind auf Rhodos.“
                            „ Ich dachte, da gäb`s nur Wein. ...“
                            „ Das ist Samoa, eine Nebeninsel.“
                            „ Die mit dem Rubikon? Vino,vidi,vinci?“
                            „ Leonardo war gar kein Grieche! Du leidest ja unter
                              salomonischer Geschmacksverirrung!“
                            „ Aber nein, das war nur so ein geflügeltes Bild.“
                            „ Aha, doch ein Picassus.“
                            „ Nein, du Besserwisser, ich meine die Sphinx, die aus der Asche steigt.“
                            „ Du bist mir ein Leuchtturm der mystischen Figuren.“
                            „ Was du sagst, ist ja auch nicht das Grüne vom Ei.“
                            „ Von welchem Ei?“
                            „ Na, von welchem wohl? Vom Ei des Damokles, das bei Beelzebub an
                              die Wand...“
                            „ Woher  denn, das war einer der drei Leisen aus dem Morgenland.“
                            „ So? Und warum hat sich dann Herodes die Hände gewaschen?“
                            „ Die Füße waren`s, du Ignorand!“
                            „ Jetzt platzt mir aber gleich der Kragen, der gordische!“ ...

                                                                                             [Periander]

                   
Nicht nur, aber auch um solche Fauxpas zu vermeiden, bieten wir an der Großen Schule in Wolfenbüttel das Fach GRIECHISCH ab Klasse 7 regelmäßig an.

Theater EpidaurosIn Klasse 7 bis 9 arbeiten wir seit einiger Zeit mit dem Lehrwerk MYTHOLOGIA, welches die Schüler einführt in ausgewählte Mythen der griechischen Antike , aber auch einen Einblick vermittelt in die Topographie des antiken Athen; es wird Alexander d.Gr. thematisiert und der Bewohner der Tonne. 

In den Jahrgängen 10 und 11 vertiefen wir die Beschäftigung mit den Griechen u.a.durch Texte aus Platons Dialogen, aus dem NT; das letzte Semester ist ausschließlich Platon gewidmet; denn nach diesem Semester erwerben die Griechischschüler ihr GRAECUM.


GRIECHISCH  ist eine lebendige Sprache.

Das klingt zuerst paradox, denn die Sprache Homers oder Platons wird heute nicht mehr gesprochen. 
Aber lebendig ist das Griechische durch seine vielfältigen Ausdrucks-      möglichkeiten, seine Inhalte und sein Fortwirken in der heutigen griechischen Sprache. 

Die Schrift läßt sich schnell lernen. Das griechische Alphabet,das in Teilen auch für das Fach Mathematik wichtig ist, enthält Zeichen, welche uns bereits aus unserem „lateinischen“ Alphabet bekannt sind; die noch ungewohnten Zeichen (z.B. Y  W) prägen sich leicht ein; unsere Schüler beherrschen sie in etwa zwei Wochen.

Wer nach Latein Griechisch lernt,entscheidet sich zwar für Kontinuität ...

2Die Griechischschüler erkennen einerseits gleich,wie sehr sich das lateinische Sprachsystem am griechischen orientiert; sie erkennen andererseits aber auch schnell, wie sehr sich die Kultur der Griechen von der römischen unterscheidet; wie oberflächlich es ist, von „der Antike“ zu sprechen. 

„Der Grieche“ ist in erster Linie auf sich zentriert, er sieht als Individuum seine Umwelt auf sich bezogen; er freut sich an und über Neues , seine Spontaneität und die Ablehnung aller Hierarchie sind bezeichnend. 

GRIECHISCH bedeutet zwar auch geistiges Training ...
Zu den Leistungen im Abstraktionsvermögen,das ohne 4Zweifel auch andere Schulfächer einfordern, tritt im Fache Griechisch die Bindung des Denkens an den human(istisch)en Bereich.

Wer sich mit Griechisch beschäftigt,lernt nicht nur ein Sprachsystem kennen, sondern den gesamten Kulturbereich von den Wurzeln Europas an.

Die Kenntnis des Griechischen ermöglicht das unmittelbare Herangehen an die Originale europäischen Geistes und europäischer Kultur; damit wird den jungen Leuten die Möglichkeit eigenständigen Urteilens eröffnet; diese Beschäftigung fördert den Prozeß der Selbstfindung und leistet einen Beitrag zur Entwicklung von Bescheidenheit und Selbstbewußtsein.


Was macht den Griechischunterricht so unverwechselbar?

Die Griechen sind Weltmeister im Denken in Antithesen; 
dies zeigt sich unter anderem auch daran, daß sich oft Wortbedeutungen gegenseitig ausschließen.Wer sein Leben jenseits aller Ideologie in Freiheit bestimmen will,ist auf ein Denken in Antithesen angewiesen; denn ich muß mich in die Position meines Gegenübers versetzen können.

Die in den Texten vertretene Ansicht mag der Leser durchaus ablehnen, aber  erst nach einer intensiven Auseinandersetzung damit. Griechischschüler beziehen Stellung!

6Thukydides,ein, vielleicht der Historiker der (griechischen) Antike arbeitet in seinem Werk die Doppelbühne der Macht heraus; das (harmlose) Geplänkel der Tagespolitik auf der Vorderbühne,das eigentliche machtpolitische Geschehenauf der Hinterbühne; das Durchschauen dieses Umstandes schafft nicht unbedingt überall Freunde! 

Man muß nicht Griechisch lernen, man darf es (noch): 
„Meine junge Tochter fragt mich oft `Griechisch zu lernen wozu` sympathein sage ich, eine menschliche Fähigkeit, die Tieren und Maschinen abgeht. 

Lerne konjugieren, noch ist Griechisch nicht verboten.“

                                                               (D. Sölle)

Mit Griechisch kann man sich nicht beschäftigen,ohne vom  Freiheitsdrang der Griechen angesteckt zu werden. Bis heute dürfte es nicht ganz leicht sein, die Berichte über die Umstände der Schlachten gegen die Perser ohne innere Anteilnahme zu lesen; wie sich da ein Völkchen aus mehreren politischen Gebilden gegen eine Invasionsarmee mehrmals zur Wehr setzt und wider Erwarten gewinnt.

Für Griechisch warb früher H.von Hentig mit dem Argument, es müsse doch ein Schulfach geben, in dem „der Mensch mehr zum Widerstand als zur Anpassung,mehr zur Einsicht als zur Information [,...] erzogen wird, mehr zu Antigone als zu Kreon.“


Schularbeitsplan Jahrgang 7-9
Schularbeitsplan Jahrgang 10-11


Herr Waltemathe
Herr Hable (Fachobmann)