Ganztagsschulkonzept am Gymnasium - Allgemeine Überlegungen

Die Bildungsreformen der letzten Jahre wirken sich besonders auf die inhaltlichen und organisatorischen Strukturen des Gymnasiums aus.

Mit der Eingliederung der 5. und 6. Klassen, der Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur unter Beibehaltung der Gesamtstundenzahl und den Vorgaben zum Zentralabitur ergeben sich vielfältige komplexe Aufgabenstellungen, in deren Mittelpunkt die Curriculumdefinition und ein neuer Zeitrhythmus in den Unterrichtsplänen stehen.
Unter dem Vorzeichen der „Eigenverantwortlichen Schule“ entwickeln sich die Gymnasien zu eigenständigen „Unternehmen“ in einer mittelständischen Größenordnung mit Personal- und Budgetierungskompetenzen. Sie sind in einem noch umfassenderen und sehr komplexen Sinne verantwortlich für ihre qualitative Fortentwicklung.
In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Schulform Gymnasium von den Eltern und Schülern vor Ort erfreulich stark nachgefragt wird. Dies deckt sich mit den bundesweiten seriösen Studien, wonach das Gymnasium als erfolgreichste Schulform eindeutig auf der Wunschliste weit oben steht.
Die drei Wolfenbütteler Gymnasien leisten den an sie gestellten komplexen Anspruch und kommen diesen Wünschen jedes für sich und in der Kooperation erfolgreich nach, wie die bisherige Umsetzung der Reformen bewiesen hat. Dabei sind sie sich ebenso wie die Wolfenbütteler Bevölkerung ihrer Traditionen und Profile bewusst.
Um diesen quantitativen und qualitativen Anforderungen weiterhin gerecht zu werden, bedarf es einer innovativen Fortschreibung des Bildungsauftrags unter den veränderten Rahmenbedingungen. Von zentraler Bedeutung ist die Erkenntnis, dass die neuen Stundentafeln bis zum Abitur zu einer zeitlichen Verdichtung des Unterrichts in den Nachmittag hinein führen.

Damit ergibt sich de facto eine neue Form der Ganztagsschule als Mix aus einem umfassenden Pflichtunterrichtsangebot und zusätzlicher individuellen kompensatorischer sowie begabungsorientierter Förderung.
Grundsätzlich ist unter dem Begriff des Ganztagsgymnasiums in Wolfenbüttel die „offene“ Form zu verstehen: Keine Schülerin und kein Schüler wird gezwungen, über den Pflichtunterricht hinaus Angebote wahrzunehmen, allerdings ist neu, dass der Pflichtunterricht in Folge der verdichteten Stundentafeln weit in den Nachmittag hineingeht. Damit ergeben sich Anforderungen an die materielle und bildungsorientierte Infrastruktur: Einrichtung einer Mensa und ein veränderter Zeitrhythmus des Lehrens und Lernens für eine größere Anzahl von Schülerinnen und Schülern.

Die Ganztagsschulentwicklung:

Die Große Schule ist seit Beginn des Schuljahres 2005/06  genehmigte „Offene Ganztagsschule“. Dies bedeutet auch , dass zusätzliche finanzielle bzw. personelle Ressourcen zur Entwicklung des Ganztagsbetriebes eingesetzt werden können.

Hierzu gehören schon jetzt kompensatorische Fördermaßnahmen, begabungs- sowie interessefördernde Arbeitsgemeinschaften und die Einrichtung von Freizeitangeboten.
Baumaßnahmen seitens des Schulträgers u.a. zur Einrichtung einer Mensa steht vor der Realisierung.
Das Ganztagsgymnasium definiert sich aber nicht nur über die genannten Merkmale, sondern versteht sich verstärkt als Lern- und Lebensraum in Sinne einer Öffnung von Schule nach außen, durch intensivierte Mitwirkungsmöglichkeiten aller Beteiligten und ein soziales Miteinander in und neben den verpflichtenden Lernprozessen

Unser definiertes Leitbild betont

- die Selbstständigkeit des Lernens
- den fachgebundenen und fachübergreifenden Kompetenzerwerb
- die leistungsbezogene Einheit von Fördern und Fordern
- die allgemeinbildende Studierfähigkeit als zentrales Ziel
- die Kooperation mit den Nachbargymnasien und mit schulfremden Partnern
- die Stärkung der sozialen Interaktion und Kompetenz
- die gegenseitige Wertschätzung als Grundbedingung eines guten Schulklimas
- die Pflege der Traditionen
- die gemeinsame Gestaltung der Schule als permanent lernender Lebens- und Arbeitsraum bei klaren, überschaubaren Strukturen

im Rahmen der bildungstheoretisch begründeten Ganztagsbetreuung. Ein familienpolitisch begründetes Interesse soll dabei einbezogen sein, aber nicht im Verständnis von „Aufbewahrung“.

Das Ganztagsgymnasium handelt nach dem pädagogischen Grundkonsens, dass die Freude am Lernen, die Lernbereitschaft und der Wissensdurst durch lernmethodische Vielfalt und ganzheitliches Verständnis von Persönlichkeitserziehung in ihren Ganztagskonzepten fundamental angelegt sind. Es stellt seinen zeitlichen Lernrhythmus sukzessive darauf um.